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Drachenbau (Tim)

Die folgende Bauanleitung ist ursprünglich im "MausNetz" veröffentlicht worden. Einige Drachenfreunde hatten den Text damals auch im WWW verfügbar gemacht.

Etwas ausführlicher kann man den Bauplan im "Drachenmagazin" Aug./Sept. Jahrgang X Ausgabe 5/98 nachlesen.

In dänischer Sprache findet man den Bauplan, übersetzt von Thomas Dorf Nielsen, in der Clubzeitung "dragesnoren" des Dans Drage Klub (DDK) Ausgabe 29/97.

Da der Drachen immer noch Spass macht, hier meine Original-Anleitung:


Im Sommer 1995 habe ich einen Trickflugdrachen mit 1,25 m Seitenstablänge entwickelt. Die hier beschriebene Version ist vom August 1995. Ich möchte den Drachen hiermit dem MausNetz mit all seinen "kites"-Lesern zur Verfügung stellen. Ich habe dem Drachen den Namen "Tim" gegeben.

Die Flugeigenschaften sind ähnlich denen des "Psycho", der ja die gleiche Seitenstablänge verwendet. Der Unterschied besteht darin, dass Tim deutlich weniger stark zum Überdrehen neigt und somit präziser zu fliegen ist. Tim stellt in meinen Augen eine gute Alternative zu Drachen wie "Psycho" oder "Box of Tricks" dar.

Diese Bauanleitung wendet sich an Drachenbauer, die nicht gerade ihren ersten Drachen bauen wollen, sondern die bereits Bauerfahrung haben. Sie beschreibt alles, was notwendig ist um Tim zu bauen, aber nicht jeden Handgriff.

Zunächst muss man Schablonen fertigen. Die Angaben hierfür verstehen sich OHNE Saumzugaben.

Die Grafik soll eine Tuchaufteilung und die wichtigen Konstruktionspunkte (das sind die Os) darstellen.

Skizze der Punkte

Es wird ein Dreieck A -> B -> C mit folgender Bemassung konstruiert:

Die Punkte J und K werden in folgenden Abständen markiert:

Nun legt man den rechten Winkel auf der Linie von B nach A in K nach rechts an und erreicht nach 33,1 cm Punkt G. Nun kommen noch ein paar rechte Winkel für die Punkte D, E, F und H:
Alle sind auf der Linie von A nach C.

Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann liegt 43,4 cm weiter der Punkt C. Die gebogene Verbindung zwischen A, D, E, F und C bekommt man hin, indem man einen Kohlefaserstab so biegt, dass er alle genannten Punkte berührt und dann zeichnet.

Jetzt muss man nur die Schleppkante hinbekommen. Das geht ebenfalls mit einem Kohlefaserstab. Die Schleppkante hat von der Linie von G nach H einen maximalen Abstand von 1,3 cm. Die Linie von H nach C ebenso 1,3 cm. Für die Schleppkante von B nach G noch ein paar Hilfspunkte: Man zeichnet rechte Winkel auf der Linie von B nach G im Abstand von 10, 20 und 30 cm von B. Die Abstände der Hilfspunkte sind dann 4,6, 6,1 und 4,7 cm.

Damit müsste man die Schablonen eigentlich hinbekommen. Nochmal: Diese Schablonen beinhalten keine Saumzugaben!

Als Tuch verwende ich Icarex P31. Bei der Farbauswahl sieht es, bei der vorgeschlagenen Tuchaufteilung, nett aus, wenn sich die Farbe in der Mitte an den Spitzen wiederholt. Bei einer Vented-Version für starken Wind kann neben schwererem Tuch wie Toray o.ä. das Teil EFH auch als Gazeteil ausgelegt werden (ist auch getestet). Eine SUL-Version könnte einfarbig aus einem Stück genäht werden.

Für das Nähen gebe ich eine Nahtzugabe von ca. 0,5 cm. Zwei Teile, die zusammengenäht werden sollen, lege ich einfach Übereinander, fixiere mit einem Pritt-Stift und nähe dann, auf dem ca. 1 cm breiten Überlappungsbereich, eine Segelmachernaht (auch Jerseystich genannt).

Die Seitenstabtaschen kann man aus 5 cm-breitem Dacron oder Spinnakernylon herstellen. Die Nase mache ich, statt aus Dacron und Gurtband, aus Kevlarband und Dacron.

Die Schleppkante erhält eine Einfassung mit Saumband zum späteren Einziehen einer Spannschnur. Die Einfassung endet je Seite ca. 2 cm vor Punkt B.

In Punkt K näht man beidseitig eine Dacronverstärkung als Verstärkung für das Mittelkreuz auf. Punkt J erhält einseitig eine Verstärkung zum Verhindern des Durchscheuerns. Punkte G und H erhalten einseitig Verstärkungen für die Stand-Offs und Punkt B erhält eine beidseitige Verstärkung wie folgt:

Detailskizze der Verstärkung

Die beiden Os sollen Löcher darstellen. Das untere Ende des Kielstabs erhält eine Splittkappe und wird mit einem Stück dacron-ummantelter Gummischnur fixiert. Der Stab liegt hinter der Verstärkung und der Verlauf der Gummischnur ist wie folgt: Von Hinten nach Vorne durch das linke Loch. Nach Unten um die Splittkappe und wieder hoch und von Vorne nach Hinten durch das rechte Loch. Die beiden Enden hinter dem Kielstab verknotet. Wer mag kann die Löcher durch Ösen verstärken. Das führt dazu, dass sich das Tuch mitsamt der Dacronverstärkung um den Kielstab schmiegt. Die Seitenstäbe befestige ich auch mit Löchern in den Seitenstabtaschen, Gummischnur und Splittkappen. Wer auf Ösen verzichtet, kann sich bemühen die Knoten der Gummischnüre in die Seitenstabtaschen zu ziehen, was dem Verheddern mit den Lenkschnüren später beim Fliegen vorbeugt.

An Stäben benötigt man 4 Stäbe von je 1,25 m Länge. Ich verwende 6 mm Exel. 2 davon sind die Seitenstäbe und bleiben in ihrer ganzen Länge erhalten (sie stehen dann etwas lang aus den Seitenstabtaschen). Aus einem weiteren Stab sägt man die obere Spreize von 49,5 cm und den Kielstab von 72,5 cm zurecht. Der letzte Stab muss für die beiden Hälften der unteren Spreize mit je 60,5 cm herhalten.

Wer noch etwas Gewicht sparen möchte oder noch Reste hat, kann als obere Spreize auch einen 4 mm- Stab verwenden, der an beiden Ende ca. 5 cm lang mit einem Stück 6 mm-Stab umklebt ist.

Zudem hat der Drachen 4 Stand-Offs. Ich fertige sie aus 3 mm-Glasfaser und zwar die, die Aussen nochmal spiralförmig umwickelt ist. Die Längen sind je 2 mal 20,5 cm und 14,5 cm. Die kurzen Stand-Offs kommen auf der einen Seite an den Punkt H und auf der anderen Seite an die untere Spreize und zwar jeweils direkt neben das Verbinderteil der Spreize mit dem Seitenstab.

Verbinderteile nach Geschmack. Ich verwende Conflex-Verbinder für die Spreizen (Gummibärchen) und Exel-Mittelkreuz und Splittkappen, sowie die Stand-Off-Verbinder, die auch beim "Stranger" verwendet werden (heissen "Clips" und "Nops" oder so ähnlich). Die obere Spreize hat zum Kielstab kein Verbinderteil!

Die Spannschnur wird von der Splittkappe des einen Seitenstabs durch die Einfassung der Schleppkante und über die Splittkappe des Kielstabs wiederum durch die Einfassung zur Splittkappe des anderen Seitenstabs geführt.

Da es sich um einen Trickflugdrachen handelt ist eine Bowline ebenfalls angeraten. Sie verbindet ebenfalls alle drei Splittkappen und verläuft natürlich nicht innerhalb der Einfassung der Schleppkante. Sie sollte nur gerade soviel Spannung besitzen, dass sie nicht durchhängt, aber keinesfalls die Spitzen zusammenziehen.

Die Waage ist vom Befestigungsknoten für die Lenkschnur aus 48 cm zum Mittelkreuz, 50 cm zum Befestigungspunkt der oberen Spreize und 55 cm zum Befestigungspunkt der unteren Spreize.

Bleibt mir nur, viel Spass beim Nachbauen zu wünschen. Über eine (hoffentlich positive) Resonanz würde ich mich freuen.


Aktualitätsstand: 01.08.2007

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